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Killerspiele: Ruf nach Verboten gaukelt Sicherheit vor

'Killerspiele' verbieten? Nach dem Amoklauf in Emsdetten ist die Debatte über Konsequenzen voll entbrannt: Berichte darüber, dass der 18-jährige Täter womöglich von brutalen Computerspielen wie "Counter Strike“ inspiriert gewesen sein könnte, lassen erneut die Rufe nach einem Verbot so genannter Killer-Computerspiele und Gewalt-Videos laut werden. Scharfer Widerspruch kommt hier von den Liberalen. Bayerns FDP-Landesvorsitzende Sabine LEUTHEUSSER-SCHNARRENBERGER bezeichnete die Reaktion als "vorhersehbaren impulsartigen Ruf nach Sanktionen", der das Problem jedoch nicht an der Wurzel fasse. Auch für den Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen (JuLis), Johannes VOGEL, ist das Verbot von Computerspielen "vorschneller Aktionismus."

Niedersachsen und Bayern setzen nach dem Amok-Lauf nun auf eine Bundesratsinitiative, mit der bestimmte Spiele verboten werden sollen. "Killerspiele gehören in Deutschland verboten", setzt Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) auf eine gesetzliche Regelung. "Ein wirksamer Jugendschutz kann letztlich nur erreicht werden, wenn besonders schädliche Computerspiele gar nicht erst auf den Markt kommen", verlangt auch Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU), diese Spiele künftig von einer staatlichen Stelle prüfen zu lassen und nicht mehr von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK).

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
"Die Staatsregierung weist zwar darauf hin, dass sie seit sieben Jahren für ein Verbot solcher Computerspiele eintrete, aber die Frage ist doch: was hat sie in Bayern im Bereich der Schulsozialarbeit getan, um ähnlichen schrecklichen Ereignissen präventiv entgegenzuwirken?", kommentierte die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Lautheusser-Schnarreneberger den Vorstoß.

Zu recht werde kritisiert, dass Bayern zu wenig Geld in die psychologische Betreuung gefährdeter Schüler stecke. Dort hätte die Regierung aber einen wirksamen Hebel gegen Gewalttaten. "Stattdessen ruft die CSU – wie nach den Videofunden auf Schülerhandys – nach dem starken Staat, der alles verbietet und damit eine Pseudosicherheit vorspielt."

Johannes Vogel
Johannes Vogel
Nach Ansicht des JuLis-Chefs Johannes Vogel ist es jetzt dringend geboten, "mit klarem Kopf und nicht aktionistisch zu agieren". So sei in der Wissenschaft bislang kein kausaler Zusammenhang von virtueller und realer Gewalt zu finden. Eine Forderung nach einem pauschalen Verbot von Computerspielen, die Gewalt beinhalten, erscheine deshalb als vorschnell und überzogen, da es nur scheinbar vor der Wiederholung derartiger Tragödien schützt. Die Jungen Liberalen seien davon überzeugt, "dass der Jugendschutz durch die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) von Anbietern und die Wachsamkeit der Eltern sowie die Maßnahmen der Computerspielehersteller gewährleistet werden kann."

Für Vogel steht erst einmal die Frage im Vordergrund, "was einen jungen Menschen in eine so perspektivlose Situation führt, dass er eine derartige Tat begeht." Darüber hinaus habe offenbar niemand Alarm geschlagen, obwohl dieser die Tat in den letzten Jahren offen im Internet ankündigte. Besonders besorgniserregend und alarmierend sei aber, dass es offenbar für den Täter in Emsdetten kein besonderes Problem darstellte, sich mit Waffen und Sprengstoff auszustatten, konstatierte der Jungliberale. "Hier ist in Wahrheit die Politik gefordert, um das bereits bestehende Waffenverbot in Deutschland knallhart durchzusetzen!"

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